Feiern

Gelungene Zeit. Gelingende Zeiten. 

Pfingsten

'Höchste feurige Kraft,
habe ich alle Lebensfunken entzündet.

Nichts Tod bringendes geht von mir aus.

Sondern unterscheide alles nach seiner Art.

Umflog mit meinen oberen Flügeln, der Weisheit, das All.
Habe so alles richtig geordnet.


Feuriges Leben göttlichen Seins,
flamme ich über die Schönheit der Flure,
leuchte in Wassern,
brenne in Sonne, Mond und Sternen.

Erwecke alles zum Leben.
Alles erhaltend mit Windes Atem, - unsichtbarem Leben.

Denn Luft lebt im Grünen und Blühen.
Wasser fließen, als wenn sie lebten.
Sonne lebt von ihrem Licht.'

Hildegard von Bingen - Liber Divinorum Operum - Worte der Weisheit


Pfingsten - Pentecosta - Fünfzig. Fünfzig Tage nach Ostern. 

Fünfzig Tage, sieben Wochen nach Pessach, ist Shavuot.

Verbindet Pessach die Ernte des Wintergetreides und Zeit, da Gerste reif wird,
mit dem Auszug aus Ägypten und dem Übergang von Winter auf Frühjahr,
verbindet Shavuot die Zeit der ersten Früchte und der Milch mit der Übertragung der Gebote vom Berg Horeb und dem Übergang des Geistes auf die Urgemeinde.

Ein alter, tiefer Sommerbeginn.

Frühjahr endet. Fülle beginnt.

Vatertag

Mein Vater ging vor über zwölf Jahren. Rasch.

Beim Kochen seines Leibgerichts, in der Fassenachtswoche,
wenige Tage nach seinem letzten rauschenden Fest.

Bis heute umgeben uns seine Gegenstände. In jeder Tasche eines seiner Taschenmesser.
Seine Bibliothek im Regal, gemischt mit meiner.

Die blauen Hemden - Gartengewand.

 

Vatersein - wie schwierig.

Eines der großen Bilder der Menschheitsgeschichte. Abraham und der Sternenhimmel.

Abba. Vater im Himmel. Abrahams Schoss.

Probleme macht Väterlichkeit wahrscheinlich, weil sie zweieinhalb Jahrtausende lang so einfach war.

Pater familias. Recht zu schlagen. Recht zu töten. Gottgleich. Unantastbar.

Geistige Väter. Gottes Stellvertreter. Familienhäupter.

Vatersein und Reife hängen zusammen. Erfordern Mut. Und gute Vorbilder.

 

Himmelfahrt

Macht Sinn, dass Himmelfahrt Vatertag ist.

Anders als Ostern eine Angelegenheit,
die in der Überlieferung anscheinend nur die Jünger anging oder angehen sollte.

Ein Männertag mit langen Gängen und Wallfahrten.

Die Sache mit dem Strohhut und dem Bollerwagen ist eine preußische Erfindung,
vielleicht um ältere Traditionen zu - ergänzen.

Macht Sinn, dass Männer unter sich sind.

Die Grabenlandung mit dem Bollerwagen ist dabei nur eine Möglichkeit von Vielen.

In den Staaten gibt es die schöne Tradition, an diesem Tag mit Vätern ihre Leidenschaft zu teilen.
Zum Sport zu gehen oder zu fischen.

Einnerungen schaffen. Gespräche führen. Verbindungen vertiefen.

 

Wenn Väter wüssten, wieviel Macht sie haben.

In ihrer An- und ihrer Abwesenheit.

In ihrem Urteil. Ihrem Vorbild.

Die Kunst ist wohl, keine Angst zu haben. Oder sie zuzulassen und sie auszuhalten.
Da zu sein. Zu fühlen. Einzustehen.

Schmerz anzunehmen - Wahres Heldentum.

...

Eine Lieblingslektüre verkehrt und ergänzt die Verhältnisse.

Auf einer Wanderung in der Wildnis lernen Männer die andere Seite ihres Mythos kennen. Vater Erde.

Stammhalter. Wahrer des Lebens. Hüter der Fama. Beschützer des Stamms.

Wie Bäume schlagen sie Wurzeln und wachsen.

Der Sonne entgegen. Den Himmel entlang.

Muttertag

Meine Familie feiert keinen Muttertag. Zu viel schwingt mit.
Erfahrungen aus Kriegs- und Nachkriegszeit.

Entstanden im Umfeld der us-amerikanischen Frauenbewegung im späten 19. Jahrhundert,
entwickelt zum komplexen Marketing.

Begründet in unseren Vorstellungen von Mütterlichkeit.

Im Deutschsprachigen davon geprägt,
dass salisches Sonderrecht Frauen im Reich seit der ersten Jahrtausendwende
von Erbfolge und den meisten Titeln ausschloss.

Königinnen verloren in dieser Zeit die Salbung. Töchter Mündigkeit. Meisterinnen ihre Märkte.

Gestalten wie Elisabeth I und II wurden bei uns unvorstellbar,
wie die tiefe bundesdeutsche Furcht vor Frauen in Vorstandspositionen zeigt.

Der Kreis idealer Rollen reduzierte sich neunhundert Jahre lang. Auf Heim und Herd.
Auf spektakuläre Außenseiterinnen wie Courasche, Merian und ihre Kinder.

Kornblumenblau

Preußische Romantik hob im 19. Jahrhundert Königin Luise auf den Schild.

Von Napoleon verfolgt, seelenvoll die Familie umsorgend,
hatte sie ihre Kinder auf der Flucht mit blauen Kornblumen abgelenkt.

Als ihr Sohn Wilhelm, der 'Kartätschenprinz', 1870 an der Spitze preußischblauer Truppen gegen Frankreich ins Feld zog, 
legte er seiner Mutter einen Strauß Kornblumen auf's Grab.

Das Muttersein war mythisch wie politisch geworden. Und sollte es eine ganze Weile bleiben.
Instrumentalisiert. Ideologisiert. Bis heute.

Meine Familie feiert keine Muttertag.

Dabei lässt er sich so schön feiern.

Mit gutem Frühstück, gutem Kuchen, Spaziergängen und Ausflügen, Teegesellschaften,
Seelennahrung und Selbstgemachtem.


Ein Tag für Blüten, Buttercreme und Zuckerguss.


Seelennahrung, anempfohlen:

Louisa May Alcott - Betty und Ihre Schwestern
- als Buch
- als Film (1994)

- als Film (2019)
- in English


Jane Austen - Sinn und Sinnlichkeit - Sense and Sensibility
- als Buch
- als Film
- als Serie
- in English

Whitney Otto - Ein amerikanischer Quilt - How to make an American Quilt
- als Buch
- als Film

Fassenacht - Von Masken. Und Vorräten.

Fastnacht - Fasching - Carneval.

Vorfasten. Gegenwelt. Masken. Dämonen. Farben und Flitter. Fruchtbarkeit.

Wahrscheinlich wurzeln unsere Gewohnheiten sowohl in römischen Lupercalia,
Umzügen zu Ehren der Proserpina/Persephone und spätwinterlichen Bräuchen.

Blütenzweig und Rute werden eins. Spass und Schmerz liegen nah beieinander.
Das Jahr braucht Ansporn, soll es fruchtbar sein.

Verschiedene Ebenen formen den Mummenschanz.

Ballsaison. Masken der Commedia dell Arte. Feste mittelalterlicher Gilden.

Die Verhonepiepelung der Preussen mit ihrem Gardemaß
(das die Ranzengarde als Bauchumfang nimmt).

Die napoleonischen Besatzer in Mainz und Köln mit ihren Sitzungen, Garden, Kommittees
(und ihrem Egalite, Liberte, Fraternite).

Bilder der kolonialen Welt. Ihre Vorstellungen von fernen Ländern.

Und die Notwendigkeit des Fastens.

Vorräte wurden rar und ranzig, Fett, Fleisch und Eier aufgebraucht. 
Was lag näher, als zu braten und zu sieden, Würste auszugeben,
im Schmalz zu backen, eh der Vorrat umging.

Wein wurde außerhalb der Messe und gebotener klösterlichen Gastfreundschaft tabu.
Da Fasten im Flüssigen nicht zu brechen war, brauten die Klöster und Güter
starkes, stärkendes Bier und schenkten es im Fasching, 'Fast-Schank', aus.

40 Tage währte das Fasten. Irgendwann entschloss sich die Kirche,
Fastensonntage aus dieser Zeit herauszunehmen.

'Herren-Fastnacht' fand eine Woche früher statt als die 'Bauern-Fastnacht'.
An ihr halten reformierte Gebiete rund um Basel mit dem Morgenstreich fest. 

Kolonien der Karibik und Südstaaten der USA,
vor allem Lousiana und New Orleans, exportierten französische Bräuche.

Sie mischten sich mit westafrikanischen Kulturen der verschleppten Sklaven,
und ihrer Götterwelt, nah, ähnlich und dem antiken Mittelmeer verwandt.

Antike Götter wurden Saintes im Voodoo,
ihre Feier ging ein in die Gegenwelt des Mardis Gras, des Fetten Dienstag,
prägte Cajun und Creole.

February 2 - Lichtmess - Candlemas - Groundhog Day

40 Tage nach Weihnachten. Die Weihnachtszeit endet.
Die Tage werden heller. In den mittleren Breiten kehrt das Licht zurück.
Die Kerzen des nächsten Jahres werden gesegnet.

Die Spinnstuben enden. Das Weben beginnt.
Die Sonne zeigt Winters Staub. Zeit zur Reinigung.
Das Nachdenken des Winters zeigt (wie das Aufräumen und die Rechnungen nach Weihnachten),
was sich bewährt hat, was verabschiedet werden kann.

Feste stehen an. Und Fasten.

Wo möglich, beginnt Feldarbeit.

Winter neigt sich. Das Jahr nimmt seinen Lauf.

 

After 40 days Christmastime is coming to an end.
Days are lightening up. Light returns to the Northern temperate zone.
Candles of the new years are blessed.

Spinning ends. Weaving starts.
Sunbeams show Winter's dust. Time to clean towards Spring.
Winter's retreat (like tidying taxes and Christmas bills), what's solid and what's ready to let go.

Feasts are waiting. Fasting as well.

Where ever possible, fieldwork begins.

Winter is drawing to an end. Year takes its turn.




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